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REISEMAGAZIN: USA - DAS TIEFSTE WASSER DES LANDES

Den Indianern war der kreisrunde Kratersee ein vertrauter Anblick, lange bevor ihn 1853 auch weiße Goldsucher entdeckten. Sie waren von der Farbe des Sees so beeindruckt, dass sie ihn zunächst einfach "Deep Blue Lake" - "tiefblauer See" - nannten.
Aber weil sie Gold und nicht Wasser suchten, hatten sie die Existenz des Sees schon bald wieder vergessen. Erst rund 20 Jahre später beschäftigte sich William G. Steel intensiv mit dem See, dessen Tiefe man inzwischen mit einem sehr langen Klavierdraht erstaunlich genau ausgemessen hatte. Inzwischen weiß man durch Echolotmessungen, dass der See an seiner tiefsten Stelle genau 592 Meter tief ist und damit der tiefste See der USA. Der Vulkankrater hat am oberen Rand einen Durchmesser von rund 10 km. 1902 erfüllte sich dann Steels Traum, dem er 17 Jahre seines Lebens gewidmet hatte: Der inzwischen als "Crater Lake" bekannte See und weite Teile des umliegenden Gebietes wurden zum Nationalpark erklärt.
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Je nach Witterung erscheint der See noch immer in einem tiefen Blau, doch manchmal wirkt er auch geheimnisvoll düster oder Wolkenverhangen. Dann versteht man wieder die Indianer, die diesem Ort einst magische Kräfte zusprachen. Der Legende nach zerstörte Skell, der Geist des Himmels, in der entscheidenden letzten Schlacht den Berg Mazama, in dem Llao, der Häuptling der Unterwelt, wohnte. Mit unverstellbarem Getöse fiel der feuerspeiende Berg in sich zusammen und hinterließ ein riesiges Loch in der Erde.
Den wilden Entstehungsmythos, den sich die Klamath-Indianer erzählen, sehen Wissenschaftler heute etwas pragmatischer. Der modernen Forschung zufolge spielte sich der wohl spektakuläre Ausbruch des Mount Mazama vor rund 8.000 Jahren ab. Der friedliche blaue See von heute lässt freilich kaum ahnen, unter welch dramatischen Umständen er entstand.
Aus Stolz auf den Nationalpark wählte der Staat Oregon den tiefen, tiefblauen Kratersee mit Wizard Island in seiner Mitte und den Randgipfeln Hillman und Watchman im Hintergrund übrigens auch zum Motiv für die Rückseite der Vierteldollarmünze, die seit 1999 in regelmäßigen Abständen den fünfzig Bundesstaaten der USA gewidmet werden. Der Quarter von Oregon, der im Juni 2005 in Umlauf kam, zeigt den See vom südwestlichen Ufer aus und trägt die Inschrift "Crater Lake".
Ein besonderes Schauspiel bietet die Winterzeit, wenn rund um den See über 13 Meter Schnee fallen können - mehr als an den meisten anderen Orten der USA. Dann wird der Park zu einem Paradies für Skilangläufer.
(ecada/Clemens Bergmann)